Interview (v. l. n. r): Biagio Bonfiglio, Olivia Ziskoven (beide Sachbearbeiter*in Reinigungskontrolle) und Alexander Schpomer, Wohnheimverwalter – alle Abteilung Studentisches Wohnen

Sauberkeit ist Definitionssache

Olivia Ziskoven , Biagio Bonfiglio und Alexander Schpomer unterhielten sich während der Kontrolle der roten Norwegerhäuser im Studierendendorf Hürth-Efferen über die Auswirkungen der Pandemie in den Wohnheimen und den Stellenwert von Ordnung und Sauberkeit.

Interview: Cornelia Gerecke | Text: Michelle Niehenke | Fotos: Uta Wagner

Wo viele Studierende zusammenwohnen, sind Ordnung und Sauberkeit das A und O – zumindest, wenn es nach Olivia Ziskoven, Biagio Bonfiglio und Alexander Schpomer geht. Die drei arbeiten schon seit vielen Jahren zusammen und haben im Studierendendorf Hürth-Efferen einiges erlebt. Wie sich die Corona-Pandemie auf ihre Arbeit und das Zusammenleben der Studierenden in den Wohnheimen auswirkt, haben sie uns im Interview erzählt.

Herr Schpomer, Sie sind der einzige Wohnheimverwalter des Werks, der direkt vor Ort im Studierendendorf arbeitet statt gemeinsam mit allen Abteilungs-Kolleg*innen in der Luxemburger Straße. Was ist das Besondere am Studierendendorf Hürth-Efferen?

Schpomer: In Hürth-Efferen betreiben wir nicht nur ein Studierendenwohnheim, sondern ein ganzes Studierendendorf. Es sind insgesamt 37 Häuser mit 1.087 Mieter*innen. Daher muss hier ein Ansprechpartner vor Ort sein. Hier bin ich viel näher an den Bewohner*innen dran, bekomme mehr mit und kann viele Konflikte direkt schlichten. Und die Studierenden haben immer jemanden, an den sie sich wenden können. In meiner täglichen Sprechstunde von 10:00 bis 12:00 Uhr kümmere ich mich um alle Belange, bei denen ihnen der Schuh drückt.

 

Was sind das zum Beispiel für Probleme?

Schpomer: Die Studierenden kommen wirklich mit allem zu uns, auch mit Kleinigkeiten: zum Beispiel Streitigkeiten um eine Tupperdose, das Geld in der Haushaltskasse oder den nicht eingehaltenen Reinigungsplan. Mein Team hat hier schon alles erlebt. Dabei muss man betonen, dass im Studierendendorf über 40 Prozent internationale Studierende unterschiedlicher Kulturen zusammenleben. Da greifen wir schon mal als Schiedsrichter ein und vermitteln. Bei der Sauberkeit ist es zum Beispiel immer Definitionssache – sauber ist nicht gleich sauber.

 

Gutes Stichwort: Frau Ziskoven, mit Ihnen ist die Reinigungskontrolle gestartet. Heute werden Sie von Herrn Bonfiglio unterstützt. Warum ist eine Reinigungskontrolle in den Wohnheimen überhaupt notwendig?

Ziskoven: Wenn wir keine Reinigungskontrolle machen würden, würde alles im Chaos versinken. Das Werk beauftragt zwar eine externe Reinigungsfirma, die sehr fit ist, dennoch prüfen wir, ob am Ende wirklich alles sauber ist. Aber es geht nicht nur um die Reinigung. Wenn Studierende zum Beispiel Sachen in den Flur stellen, sorgen wir zusammen mit den Hausmeister*innen dafür, dass diese weggeräumt werden – sonst wird es schwierig mit dem Reinigen.

Bonfiglio: Aber bevor die Hausmeister*innen oder der Entsorgungsdienst anrücken, versuchen wir zuerst mit den Studierenden zu reden. Wir klopfen an und bitten sie, ihre Sachen aus dem Weg zu räumen. Die Flure und Treppenhäuser müssen aus unterschiedlichen Gründen frei sein: Brandschutz, Fluchtwege, Ungeziefer etc.

 

Und wenn alles ordnungsgemäß weggeräumt ist, startet die Reinigungsfirma?

Bonfiglio: Richtig. Es werden jeden Tag unterschiedliche Häuser gereinigt. Die Bewohner*innen in den WGs organisieren ihre Putzpläne natürlich alleine. Bei unserer Arbeit geht es hauptsächlich um Flure, Treppenhäuser, Waschküchen, Wohnküchen, Gemeinschaftsbadezimmer – eben alles, was gemeinsam genutzt wird.

Ziskoven: Einmal pro Woche werden Treppenhäuser, Nottreppenhäuser und Flure in Hürth-Efferen gereinigt. Zweimal pro Woche die Eingangsbereiche und Waschküchen. Und in den Badezimmern der Flurzimmer wird natürlich täglich gereinigt. Die entsprechenden Putzpläne für die Reinigungsfirmen erstellen Herr Bonfiglio und ich gemeinsam.

Bonfiglio: Und das nicht nur für Hürth-Efferen, sondern für alle 90 Wohnheime.

 

Dann sind Sie also jeden Tag viel unterwegs …

Bonfiglio: Ja, wir müssen auch nach Opladen oder Gummersbach. Es gibt aber keine feste Reihenfolge. Bei uns sehen jeder Tag und jede Woche anders aus.

„Das Kennenlernen verschiedener Mentalitäten der internationalen Studierenden macht mir einfach Spaß.“

Olivia Ziskoven

Und wie hat sich Ihr Job durch die Corona-Pandemie verändert? Die Studierenden haben ja viel mehr Zeit in den Wohnheimen verbracht.

Ziskoven: Neu ist, dass wir immer auf unseren persönlichen Infektionsschutz und den Infektionsschutz der Bewohner*innen achten müssen. Bevor wir ein Wohnheim betreten, werden also Maske und Handschuhe angezogen. Desinfektionsmittel haben wir immer dabei, auch wenn praktische Spender in allen Eingangsbereichen der Wohnheime bereitstehen. Pro Etage werden neue Handschuhe angezogen. Und die Masken werden spätestens bei einem Gebäudewechsel ausgetauscht.

Bonfiglio: Die Wohnheime mit den Flurzimmern, zum Beispiel in Lindenthal oder Rodenkirchen, müssen wir in Zeiten der Pandemie verstärkt reinigen und kontrollieren. Dadurch, dass die Mieter*innen häufiger zu Hause sind, entsteht einfach mehr Müll, zum Beispiel durch Verpackungen von To-go-Essen. Hier leistet die Reinigungsfirma wirklich sehr gute Arbeit. Und die Mieter*innen machen gut mit. Durch häufigere Kontrollen konnten wir sie zu mehr Mithilfe animieren.

Ziskoven: Mit guter Kommunikation haben wir es hinbekommen, dass sie selber auf mehr Sauberkeit und vor allem auf regelmäßiges Desinfizieren achten. Hinweisplakate in den Küchen und Hauseingangsbereichen haben sie daran erinnert. Zusätzlich wurden alle Mieter*innen regelmäßig per E-Mail über Änderungen benachrichtigt.

Für uns wird es etwas kritischer, wenn es positive Corona-Fälle in einem Wohnheim gibt. Das kam bisher zum Glück nur selten vor. Dann müssen wir die anderen Mitbewohner*innen, die Reinigungskräfte und uns selber schützen. An dieser Stelle großen Respekt an die Reinigungskräfte, denn die halten die Gemeinschaftsräume und Badezimmer vorbildlich sauber, obwohl nun viel mehr zu tun ist.

 

Jetzt haben wir viel über die Ordnung in den Gemeinschaftsräumen gehört. Wie sieht es denn mit den privaten Räumen der Studierenden aus?

Schpomer: Für die sind die Studierenden selbst verantwortlich. Und wenn ich manchmal das Chaos in den Zimmern sehe, muss ich ihnen plausibel erklären, wie es anders gehen kann. Ein Glasreiniger für 39 Cent ist eben keine Allzweckwaffe für Backofen und Co. Dabei hilft natürlich eine lockere Art im Umgang mit den Studierenden. Ich habe auch schon mal selbst den Schwamm in die Hand genommen und gezeigt, wie richtig geputzt wird. Bei meinem angekündigten Besuch am nächsten Tag muss es dann so sauber sein wie bei mir. Das funktioniert.

 

In Hürth-Efferen leben viele internationale Studierende. Verstehen die immer auf Anhieb, was Sie ihnen über Ordnung und Sauberkeit beibringen wollen?

Schpomer: Manchmal ist es schwierig. Ich spreche ja auch nicht jede Sprache. Aber irgendwie können wir uns immer verständigen: mit kleinen Bildchen, Händen und Füßen oder der Hilfe von Mitbewohner*innen.

Bonfiglio: Eine Voraussetzung für den Umgang mit den Studierenden ist auf jeden Fall gute Laune. Man darf nicht zu streng mit ihnen sein und muss einfach ruhig, professionell und sachlich bleiben. Und am besten Englisch sprechen.

Ziskoven: Wir sind alle immer freundlich und nett. Das Kennenlernen verschiedener Mentalitäten der internationalen Studierenden macht mir einfach Spaß. Dabei erfahre ich immer wieder etwas Neues.

„Die Mieter*innen machen gut mit. Durch häufigere Kontrollen konnten wir sie zu mehr Mithilfe animieren.“

Biagio Bonfiglio

Sind Sie vor Ort auch erste Ansprechpersonen für die Studierenden?

Schpomer: Ja, gerade wenn die Studierenden neu in Köln sind, haben sie sonst niemanden hier. Man übernimmt manchmal gewissermaßen die Elternrolle.

Ziskoven: Da wird man auch mal zur Seelentrösterin. Ich habe zum Beispiel schon eine weinende Studierende in der Küche getroffen und ihr über die Prüfungsangst hinweggeholfen.

Schpomer: Und bei anderen Schwierigkeiten, zum Beispiel mit den Mitbewohner*innen, bin ich sowieso immer für die Studierenden da.

 

Haben Sie während der Pandemie gemerkt, dass es zwischen den Studierenden zu mehr Streitigkeiten gekommen ist? Es wurde ja sehr viel Zeit gemeinsam auf engstem Raum verbracht.

Schpomer: Wir hatten manchmal den Eindruck, dass sie zu viel aufeinanderhocken. Das ist in den Wohnheimen aber auch nicht so einfach. Wenn eine Person gerade eine Onlinevorlesung hat, mixt die andere um die Ecke vielleicht einen Smoothie. Dann kommen sie zu uns und beschweren sich über die Ruhestörung, weil sie nicht lernen können. Ich führe dann Einzel- und Gruppengespräche, damit wir gemeinsam Regeln für das Miteinander aufstellen können.

Wenn es um Partys geht, sind die Streitigkeiten aber schnell vergessen. Da müssen wir sogar dazwischenfunken und alle ermahnen, dass keine Partys in der Waschküche gefeiert werden dürfen.

Ziskoven: In einem Wohnheim haben fünf Studierende sogar eine Party im Aufzug veranstaltet. Sie sind einfach die ganze Zeit hoch- und heruntergefahren und haben den Aufzug blockiert. Das werde ich nie vergessen.

Schpomer: Sie hatten sogar ein Sofa da drin. Es war ganz schön schwierig, die fünf dort herauszubekommen. Aber wir haben es geschafft.

„Wir sind unseren Mieter*innen selbstverständlich entgegengekommen und haben Vereinbarungen getroffen, dass Mieten später gezahlt werden können.“

Alexander Schpomer

Stimmt es, dass während der Pandemie mehr Studierende ausgezogen sind, da sie zum Beispiel wieder bei ihren Eltern gewohnt haben?

Schpomer: Momentan haben wir nicht die Auslastung wie sonst bzw. eine höhere Fluktuation. Durch die weggefallenen Präsenzveranstaltungen gibt es für manche Studierende keinen Grund, einen Wohnheimplatz zu bezahlen. Und viele haben ihren Nebenjob verloren und können die Miete vielleicht nicht mehr tragen. Die internationalen Studierenden konnten natürlich nicht so einfach zurück in ihre Heimat. Ihnen hat die Überbrückungshilfe sehr geholfen. Wir sind unseren Mieter*innen selbstverständlich auch entgegengekommen und haben Vereinbarungen getroffen, dass Mieten später gezahlt werden können. Zu den vielen Auszügen während der Pandemie sind auch viele interne Umzüge hinzugekommen. Einfach aus dem Grund, dass die Konstellationen in den WGs unter Corona-Bedingungen nicht mehr gepasst haben.

 

Bei den Aus- und Umzügen kontrollieren Sie die Zimmer, Herr Schpomer. Wie hat das während der Pandemie funktioniert?

Schpomer: Um die Mieter*innen und unser Team bestmöglich zu schützen, haben wir die Wohnungsabnahme per Foto organisiert. Die Mieter*innen haben die Wohnung aus verschiedenen Winkeln abfotografiert und uns die Dateien per E-Mail zugeschickt. Wenn ich anhand der Fotos gesehen habe, dass die Wohnung top ist – da hat man nach Jahren ein Auge für –, dann haben wir das nicht mehr vor Ort kontrolliert. Stattdessen wurden die Nachmieter*innen informiert, dass sie beim Einzug alles checken sollen und sich bei Problemen an uns wenden können.

Das war für uns wesentlich weniger Stress, da wir keine Terminabsprachen treffen mussten und die Fotos schnell am Computer durchgehen konnten. Und die Studierenden haben sich mehr Mühe gegeben, weil sie gehofft haben, dass wir nicht persönlich vorbeischauen.

 

Das klingt, als hätten Sie drei die Studierenden sehr gut im Griff – als perfektes Dreigestirn.

Schpomer: Die beiden sind die besten Kolleg*innen, die man sich vorstellen kann. Wir kennen uns schon so viele Jahre. Wenn etwas ist, kann ich die beiden immer anrufen und sie springen ein.

Bonfiglio: Das ist ein Geben und Nehmen.

Ziskoven: Und auf die Studierenden bezogen, hilft uns unsere langjährige Erfahrung. Wir wissen, dass es in vielen Kulturen anders läuft als bei uns. Deswegen gehen wir besonders auf die internationalen Studierenden zu und nehmen sie ein bisschen an die Hand.

Schpomer: Fehlt eigentlich nur noch, dass wir Tutorials für sie drehen: Wie putze ich richtig und welche Reinigungsmittel nutze ich wofür? Ich glaube, das würde gut ankommen. Und wir müssten uns nicht mehr um unfreiwillige Schaumpartys kümmern, weil mal wieder jemand Geschirrspülmittel für die Waschmaschine benutzt hat.

Olivia Ziskoven ist gelernte Floristin und begann schon 1986 in der Mensa des Werks zu arbeiten. Ihr Weltrekord im Waffelverkauf ist bis heute ungebrochen – 750 Waffeln in zwei Stunden. Später wurde ihr die bis dahin noch nicht existierende Stelle der Reinigungskontrolle der Wohnheime angeboten und sie sagte ja.

Biagio Bonfiglio kam nach seiner Ausbildung als Einzelhandelskaufmann im April 2010 ins Werk. Bis 2017 unterstützte er Frau Ziskoven nicht nur bei der Reinigungskontrolle, sondern war auch noch als örtlicher Verwalter im Studierendendorf Hürth-Efferen tätig. Er selbst bezeichnet sich als Sauberkeitsfanatiker – die beste Voraussetzung für seinen Job.

Alexander Schpomer ist Wohnheimverwalter im Studierendendorf Hürth-Efferen. Mit 21 Jahren begann er im Werk seine Ausbildung als Bürokaufmann und absolvierte eine klassische Werkslaufbahn. Da ein reiner Bürojob für ihn nicht in Frage kam, zog er nach seiner Ausbildung die Abteilung Studentisches Wohnen der Buchhaltung vor. Seine Stelle als fester Wohnheimverwalter im Studierendendorf Hürth-Efferen war ein Pilotprojekt, aus dem langfristig eine feste Stelle entstand.

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Wohnheimplätze (Gesamtbestand)

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Belegungsquote der Wohnheimplätze

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Anzahl der Bewerbungen

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Einzüge, davon 370 Umzüge innerhalb der Wohnheime

-4% (3.084**, davon 253 Umzüge innerhalb der Wohnheime)

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Vermittlungsquote

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Quote der Bewerber*innen, die erstes Angebot direkt angenommen haben

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Privatzimmerangebote auf mein-zuhause-in-koeln.de

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internationale Bewohner*innen

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durchschnittliche Warmendmiete

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* prozentuale Abweichung im Vergleich zu 2019
** 2019